Aktuelles TSV 1869 Herleshausen e.V.

Mi 29.04.2020 22:46 - Fußball: Blütenpracht statt Fußballschlacht - Meinungen ...
Dass Löwenzahn den Rasen ziert, gibt´s normalerweise eher selten. Die gelben Blüten fallen meistens schnell dem Rasenmäher zum Opfer oder zerknicken zeitig unterm Stollentritt. Nicht so in diesem Jahr. In diesem Jahr ist eben alles anders. Auch im TSV und der SG H/N/U ruht der Sport. Keiner weiß derzeit, wann und in welcher Form die Bälle wieder rollen werden. Fußballpause in einer Zeit des Jahres, die ansonsten von Tabellenkämpfen, Englischen Wochen mit Nachholspielen und regelmäßiger Sportplatz-Geselligkeit geprägt ist. Das gefällt keinem.

Nun wird überlegt, ob der große Sport die Saison mit Geisterspielen wieder aufnehmen kann, um den Schaden für seine Wirtschaftsbetriebe mit und ohne Tradition zu begrenzen. Für uns Amateur- und Jugendkicker gibt es derzeit noch gar keinen Plan, wann und wie es mal weitergehen wird. Die Meinungen in der Bevölkerung gehen hier weit auseinander. Ein entschiedenes Einerseits-Andererseits bestimmt derzeit die Diskussion.

An dieser Stelle haben wir mal bei den Fußball-Sachverständigen in unserem Umfeld nachgefragt, wie ihre Meinung ist. Lesen Sie selbst:

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Gerhard Biehl
1. Vorsitzender TSV und HNU-Fußball-Urgestein

Ich bin gegen Geisterspiele in der Bundesliga oder einer sonstigen Liga.

Die Gründe:
1. Ein Fußballspiel, in der Bundesliga oder Kreisliga, ist ohne Zuschauer nur ein verschärftes Trainingsspiel. Es wären laue Partien ohne "Pepp". Die Zuschauer sind das Salz in der Suppe.
2. Leider gibt es immer noch nicht genügend Test. Sollten die Profis wieder spielen, müssen sie alle zwei Tage getestet werden. Schon aus moralischen Gründen gegenüber den Ärzten bzw. Pflegepersonal ist dies nicht zu verantworten.
3. Geisterspiele bei den Amateuren lehne ich ebenfalls kategorisch ab. Keine Einnahmen, keinen Ausschank nur enorme Kosten für die Vereine. Des Weiteren kann kein Verein die Hygienevorschriften konsequent einhalten.

Bei der Bundesliga bin ich für den vorzeitigen Saisonabbruch. Bei den Amateuren nicht. Hier wäre mein Vorschlag wie folgt: Die Serie 2020/21 fällt aus. Sollte es möglich sein, beginnen die Amateure im September/Oktober wieder mit dem Fußballspielen. Damit man wieder in den Spielbetrieb reinkommt, findet erst einmal ein erweiterter Hessenpokal statt. Wie in der Euro-League werden Gruppen mit 4 bis 5 Mannschaften geschaffen. Jeder spielt gegen Jeden mit Hin- und Rückspielen. Anschließend gibt es ein Viertel- und Halbfinale sowie ein Endspiel. Mannschaften, die sich hierfür nicht qualifiziert haben, spielen eine Trostrunde aus. Somit hätte jeder Verein mindestens 10 Spiele.

Danach beginnt die Winterpause und im Frühjahr 2021 wird dann die Rückrunde mit den ausstehenden Spielen sowie dem Tabellenstand vom 15. März 2020 zu Ende gespielt. Das wäre nach meiner Meinung die gerechteste Lösung.

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Andreas Hartmann
Trainer der Senioren SG H/N/U

Ich halte die Fortsetzung der Fußball-Bundesliga sobald es möglich sein sollte für zwingend notwendig! Wenn erforderlich auch mit Geisterspielen. Natürlich sind diese Spiele ohne Zuschauer nicht das, was wir uns als Fußballfan vorstellen. Aber da es sich bei jedem Profiverein auch um ein eigenes Wirtschaftsunternehmen handelt, sollte man den finanziellen Aspekt nicht vergessen.

Dabei geht es mir nicht um die hochbezahlten Trainer und Profis. Wir sollten da mehr an jeden einzelnen Arbeitsplatz der Angestellten denken, die man am Wochenende nicht auf dem Fernsehbildschirm sieht und deren Familien von dem Fortbestand des Vereins existentiell abhängig sind.

Im Amateurbereich müsste man viele individuelle Lösungen finden, da es für jeden Verein je nach Ligazugehörigkeit und Vereinsstruktur andere Rahmenbedingungen gibt. Diesen allen gerecht zu werden, wird nicht möglich sein und so bleibt es spannend zu beobachten, wie sich die Fußballlandkarte nach der Pause darstellen wird.

Ich sehe unsere SG H/N/U da gut aufgestellt. Aufgrund der regionalen Struktur in unserem Verein und der Tatsache, dass wir keine großartigen finanziellen Belastungen außerhalb des aktiven Spielbetriebes haben, werden wir an dem Tag, wo es wieder losgehen darf, mit der gleichen Lust und Leidenschaft wie vorher am Start sein.

Für den Moment ist es schon eine komische Situation, und wir alle merken, wie sehr uns nicht nur der aktive Fußball, sondern auch das gesellschaftliche Drumherum fehlen. Wie schön wäre es, mal wieder nach einer anstrengenden Trainingseinheit in der Kabine zu sitzen und bei einem kühlen Bierchen das ein oder andere Späßchen zu machen. Oder an einem Sonntag nach dem Spiel mit der Truppe und unseren treuen Zuschauern ein wenig über das Match zu referieren und dazu ein leckeres Sportplatz-Bratwürstchen zu essen.

Wir müssen es für den Moment so hinnehmen wie es ist. Aber wir freuen uns schon alle auf den Tag, wo wir unserem geliebtem Hobby wieder nachkommen dürfen und wir uns in größerer Runde wieder treffen können. Das gilt sowohl für den sportlichen aber natürlich auch für den gesellschaftlichen Bereich unserer tollen Gemeinschaft!

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Lukas Wetterau
Kapitän der 1. Mannschaft SG H/N/U

Sollte die Bundesliga unbedingt mit Geisterspielen fortgesetzt werden oder lieber ein Saisonabbruch?

Es geht ja bei den Geisterspielen darum, TV-Gelder zu bekommen, um weiterhin zahlungsfähig zu sein. Mir wird diese Diskussion oft zu emotional geführt. Fans schreien auf, weil sich die Vereine angeblich nicht mehr für sie interessieren. Dabei sollte jedem mittlerweile klar sein, dass der Bundesliga-Fußball nichts mehr mit dem Fußball zu tun hat, den wir sonntags vom Sportplatz in Herleshausen, Nesselröden oder Ulfen kennen. Das sind alles Wirtschaftsunternehmen, die Spieler und Mitarbeiter in einem ganz normalen Arbeitnehmer/Arbeitgeber-Verhältnis beschäftigen. Also sollte auf diese Emotionalität verzichtet und über die Rahmenbedingungen nachgedacht werden. Es ist ein Kontaktsport, bei dem die Hygieneregeln nicht eingehalten werden können. Also sollen mehr Tests durchgeführt werden. Für mich ist es dann gesellschaftlich schwierig nachzuvollziehen, warum dieser Bereich mehr Tests zur Verfügung gestellt bekommen soll als andere Bereiche. Ich bin gegen Geisterspiele.

Wie sieht es mit dem Amateursport aus?

Das ist schwierig. Die einzelnen Verbände haben Angst davor, die Saison abzubrechen, da sie mit vielen Klagen rechnen. Ehrenamtlichen Mitarbeitern könnten da harte Konsequenzen drohen und das darf auf keinen Fall passieren. Eine verspätete Fortsetzung kann aber im Jugendbereich zu Problemen führen, denn in den Jahrgängen rutschen die Jugendspieler eine Jugend weiter und möglicherweise ist die Mannschaft dann nicht mehr vollständig. Ich bin für einen Neustart der Saison in der Hoffnung, dass die meisten Vereine akzeptieren, dass das eine besondere Situation ist.

Welche Auswirkungen hat das auf unseren Verein?

Für unsere SG ist das ein anderes Problem. Wir dürfen uns im Moment nicht im Training verausgaben, freitags in der Kabine nicht noch das eine oder andere Bier zusammentrinken und sonntags auf dem Platz nicht alles geben, um dann am Ende einen möglichen Sieg zu feiern. Das fehlt schon sehr. Auch den Menschen drumherum geht das so, denn der Sportplatz ist am Sonntag dann doch auch ein Treffpunkt für Unterhaltungen und ein gutes Gefühl zum Abschluss der Woche. Ich hoffe sehr, dass das bald wieder möglich ist. » mehr . . .
(v.l.) Gerhard Biehl, Andreas Hartmann und Lukas Wetterau

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