Aktuelles TSV 1869 Herleshausen e.V.

Do 30.06.2016 12:16 - Turnen: Eine Tradition geht zu Ende
Das Meißner-Bergturnfest gibt es nicht mehr. Das leichtathletische Treffen auf dem König der nordhessischen Berge, bei dem gerade auch der TSV 1869 immer mit vielen Teilnehmern glänzte, gehört nun endgültig der Geschichte an. Schade, aber leider nicht zu ändern.

TSV-Ehrenvorsitzender Harald Biehl, der lange Jahre im Meißner-Bergturnfest-Ausschuss aktiv war, war kürzlich beim Abschiedstreffen dabei.

"Im kleinen Rahmen haben wir uns am Sonntag, 19.06.2016 im Naturfreundehaus auf dem Hohen Meißner - nicht unweit des Sportplatzes "Hausener Hute" mit dem Jahn-Gedenkstein, wo jahrzehnte die Wettkämpfe ausgetragen wurden - zum Abschiednehmen getroffen. Bei allen, die uns auf dem Hohen Meißner unterstützt haben, möchten wir uns recht herzlich bedanken und ganz besonders bei denen, die dafür gesorgt haben, dass der TSV 1869 Herleshausen e.V. jahrzehntelang immer auf dem Hohen Meißner vertreten war und auch schöne Siege und Plazierungen erreichen konnte."

Harald verweist auf weitere Beiträge zum Thema, z.B. von der Homepage des Turngau Werra:

Unser traditionelles Meißner-Bergturnfest, das wir 2015 zum 107. Mal gefeiert haben, wird es in der bisherigen Form nicht mehr geben. Nachdem die Zahl der Teilnehmer in den letzten Jahren kontinuierlich abgenommen und 2015 den Tiefststand von 59 erreicht hatte, beschloss der Meißner-Bergturnfest-Ausschuss im Oktober 2015 einstimmig, dass es kein weiteres Meißner-Bergturnfest mehr geben solle. Auch die Tatsache, dass kein Nachfolger für die Ausschussvorsitzende Doris Most gefunden werden konnte, trug zu diesem Entschluss bei. Die Entscheidung, diesen traditionsreichen und einzigen allgemeinen Wettkampf im Turngau aufzugeben, ist dem Bergturnfestausschuss und dem Turngau-Vorstand sehr schwer gefallen! Wir werden im Vorstand überlegen, in welcher Form es in Zukunft eine andere, gleichwertige Gau-Veranstaltung geben kann. 



Alle, die weiter gern an einem Bergturnfest teilnehmen möchten, können das bei unseren Nachbar-Turngauen tun: 
Am 3. Juli 2016 feiert der Turngau Fulda-Werra-Rhön sein Rhönturnfest in Gersfeld. Nähere Infos unter www.turngau-fwr.de.
Der Turngau Nordhessen lädt für den 2. Oktober 2016 zum Sensenstein-Bergturnfest ein. Vorstandsmitglied Anja Laun hat 2015 dort schon mit einigen Mädchen vom ETSV teilgenommen und hat sich erkundigt: Die "Nordhessen" würden sich über weitere Teilnehmer von uns freuen. Nähere Informationen finden Sie unter www.turngau-nordhessen.de.

Und auf ein Interview aus der HNA Witzenhausen mit Magdalena Weidner (Turngau-Vorsitzende):

Diese Nachricht ließ nach dem jüngsten Gauturntag aufhorchen: Das 108. Meißner-Bergturnfest wird es nicht geben. Über das Ende einer Ära haben wir mit der Vorsitzenden des Turngau Werra, Magdalena Weidner, gesprochen.

Seit fast 120 Jahren hat der Turngau Werra fast jährlich ein Bergturnfest ausgerichtet. Warum endet diese Tradition?

Magdalena Weidner: Wir haben uns schon seit Jahren gefragt, wie lange wir das Bergturnfest veranstalten können. Wir hatten uns als Richtwert 100 Teilnehmer gesetzt, aber diese Zahl haben wir schon lange nicht mehr erreicht. Das Aus stand seit 2013 im Raum. Hinzu kommt, dass wir keinen Nachfolger für den Vorsitz des Organisationsausschusses gefunden haben, der die 25 Helfer koordiniert hätte. Finanziell haben wir immer viel draufgelegt. Das machen wir gern, aber dann müssen auch die Teilnehmerzahlen stimmen. Wenn die in keinem Verhältnis mehr zu Aufwand und Kosten stehen, dann ist es besser, das Turnfest einzustellen.

2015 musste das Fest wegen Regens verschoben werden. War das der Grund für die schlechten Anmeldezahlen?

Weidner: Beim ursprünglichen Termin im Juli waren es sogar nur 30 Anmeldungen, zum Fest im September kamen dann 59 Teilnehmer, darunter elf Flüchtlinge. An der Verschiebung hat es nicht gelegen.

Warum haben immer weniger Menschen Lust, sich bei solchen Festen zu messen? Kann es sein, dass bei vielen schon so viel Leistungsdruck im Beruf herrscht, dass sie nicht auch noch in der Freizeit mit anderen wetteifern wollen?

Weidner: Das kann Teil der Erklärung sein, aber dagegen spricht, dass Veranstaltungen wie Marathons und Triathlons immer beliebter werden. Wir beobachten eher Folgendes: Kinder kommen nur zum Turnfest, wenn die Übungsleiter sie dazu motivieren können. Dann müssen auch die Eltern als Transporteure und Betreuer mitziehen. Die Übungsleiter müssen zudem bereit sein, sich über ihre Übungsstunde hinaus zu engagieren, dazu sind viele nicht mehr bereit. Das gilt oft auch für die Mitglieder in Sportvereinen: Sie gehen zum Sport, mit dem Vereinsleben wollen sie aber nichts zu tun haben. Die Abnahme der "Vereinskultur" vor allem bei jüngeren Menschen ist ein Trend der Zeit, da hilft auch kein Jammern. Vor allem an den Wochenenden ist es schwer, Menschen für Veranstaltungen zu gewinnen, weil die Auswahl oft sehr groß ist.

Warum setzen Sie auf die Ausbildung von Übungsleitern, um Sport im Verein attraktiver zu machen? Die Kinder müssen ja erstmal in die Turnhalle kommen, um zu sehen, wie viel Spaß das machen kann ...

Weidner: Gut ausgebildete Übungsleiter machen tolle Übungsstunden - und das spricht sich rum. Deshalb sorgt der Turngau für die professionelle Aus- und Fortbildung von Übungsleitern. Die Vereine suchen laufend neue Übungsleiter. Um die Scheu zu nehmen und auch jüngere Leute anzusprechen, wollen wir auch niederschwellige Angebote machen und werden 2017 möglicherweise eine Ausbildung zum Übungsleiter-Assistenten anbieten. Das müssen wir noch genauer beraten.

Gibt es schon Ideen, was nach dem Bergturnfest der Höhepunkt des Turngau-Jahres werden soll?

Weidner: Wir denken über eine gleichwertige Folgeveranstaltung nach, die zum Beispiel in Kooperation mit einem Sportverein angeboten wird. Das könnte statt einem Wettkampf ein Sport- und Spielfest sein, das Spaß an der Bewegung weckt. Und wir haben ja noch unsere Frühjahrs- und Herbstwanderungen, die von Jung und Alt gut angenommen werden. Da haben wir mindestens 200 Teilnehmer, teilweise aber auch zwischen 550 und 800.

Was bedeutet es für den Turngau, wenn das Bergturnfest nun eingestellt wird?

Weidner: Es ist ein Abschied von einem wichtigen Teil unserer Geschichte, wir sind an einem Wendepunkt. Wir müssen uns jetzt neu orientieren und die Herausforderung annehmen. Wie das aussehen kann, muss der neue Vorstand jetzt beraten. » mehr . . .

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